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Die häufigsten Fehler des WebManagements
Heutige Web Sites sind überwiegend Sites der "ersten Generation".
Designer wie David Siegel, die durch den Einsatz des umständlichen
PDF-Dateiformats, über transparente Gifs und andere meist browserspezifische
"Tricks" die pixelgenaue Darstellung anstreben, betrachten das Web immer
noch als Äquivalent der gedruckten Broschüre.
Auch wenn man vermeintliche HTML-Schwächen überkommt und jetzt
von "Sites der Dritten Generation" redet, wird verkannt, daß das
Web vor allem Interaktion bietet. Bevor eine Web Site diese strategische
Aufgabe erfüllen kann, muß Klarheit über die Zielrichtung
herrschen.
Mangelnde Aufgabenstellung
Nur weil die Mitbewerber eine Web Site haben, muß dieses Haben
nicht nachgeahmt werden. Eine Web Site dient, wie jede andere betriebliche
Abteilung und Technologie, einer bestimmten Aufgabe. Wird keine solche
vorgegeben, kann Erfolg nicht gemessen werden.
Wir wissen, daß Firmen, die keine Site unterhalten, bei der "Web-Bevölkerung"
inzwischen als antiquiert gelten. Eine Web Site, die eine Übersicht
über das Angebot, Kontakt-Adressen, eine kurze Selbstdarstellung und,
bei börsennotierten Unternehmen, Anleger-Informationen bietet, ist
heute so selbstverständlich, wie ein Eintrag im Telefonbuch.
Eine solche Web Site erfüllt aber keine eigentliche Funktion und
sollte nur dann errichtet werden, wenn ein Unternehmen sich ausdrücklich
gegen eine wirkliche Web Präsenz entschließt.
Die erfolgreiche Implementierung betrieblicher Web Sites setzt voraus,
daß klare Vorstellungen über die gewünschte Funktionalität
herrschen. Eine Web Site muß jedem [potentiellen] Kunden, der diese
besucht, Vorteile bieten: zeitsparende Kommunikation, Selbstbedienung bei
der Bestell- oder Kundendienstabwicklung, weiterführende Information,
Selbsthilfe.
Fehlende Zielgruppe
Eine der häufigsten Redewendungen auf deutschsprachigen Seiten
ist "wir über uns" [fireball.de 15.9.97: 16719 Treffer]. Fotos des
Managements, die Firmengeschichte und Philosophie können auf der Web
Site veröffentlicht werden - aber nicht so, daß jeder Besucher
zwangsläufig darüber stolpert. Wenn's unbedingt sein muß,
reicht eine abseits gelegene Seite. Ihre Firma ist nicht der Nabel der
Welt. Im Vordergrund muß einzig und allein der Anwendernutzen stehen.
Sitestruktur gleich Unternehmensstruktur
Die interne Struktur Ihres Unternehmens interessiert den Kunden nicht.
Er verlangt von Ihnen nur, optimal bedient zu werden. Wie Sie das intern
abwickeln, ist Ihre Sache und nachrangig. Im Vordergrund muß stets
die Problemlösung stehen.
Sites, deren Aufbau sich an der Firmenstruktur orientiert, tendieren
dazu, den Anwendernutzen zu vernachlässigen oder ignorieren. Erstrangig
ist immer die Funktionalität, die Sie Ihren Besuchern bieten wollen.
Die Verteilung der Verantwortlichkeiten für verschiedene Bereiche
einer Web Site ist zwar einfacher, wenn jede Abteilung für sich eine
Sub-Site entwirft. Die so zustande kommende Site bietet dem Kunden aber
bestenfalls undurchsichtiges Chaos.
Entscheiden Sie über die anzubietende Funktion, überlegen
Sie - Wissen um Betriebsinterna völlig ignorierend - wie der [potentielle]
Kunde diese möglichst bequem und effizient nutzen würde, und
beauftragen Sie die Verantwortlichen, die sich hieraus ergebende Struktur
der Site so zu verwirklichen.
Planlose Implementierung
Wer jedes neue Web-Projekt einer neuen Agentur überträgt,
hat letztendlich eine Site, die einem Eintopf gleicht. Jede Agentur versucht,
Ihre Site zu prägen, ihr ein eigenständiges Gesicht zu geben:
man möchte sich profilieren und zukünftige Aufträge gewinnen.
Eigeninteressen und nicht immer optimales Verständnis eines einmaligen
Mediums führen leicht zu Interessenkonflikten.
Anwender, die beim Wechsel innerhalb verschiedener Bereiche unterschiedliche
Designs und damit alternative Navigationsmöglichkeiten vorfinden,
werden frustriert. Selbst wenn verschiedene Aufgabenstellungen wie z.B.
Grafik oder Programmierung das Outsourcing der Implementierung an mehrere
Shops zwingend vorschreibt, darf es für die Gesamtnavigation Ihrer
Site nur eine Zuständigkeit geben.
Die wirklichen Kosten
Die häufigste Frage von erstmals eine Site anstrebenden Firmen,
"Was kostet eine Web Site", wird meistens falsch beantwortet. Eine Web
Site ist kein Inserat oder Werbespot, der einmalig bezahlt wird. Das Web
ist eher wie ein Telefon: Erwerb und Installierung allein reichen nicht
zur Erzielung langfristigen Nutzens.
Erst die Bedienung und Wartung, die Kommunikation, bringt den Erfolg.
Dieser ist bei korrekt implementierten Sites stets größer als
die zur Wartung anfallenden Kosten. Eine Web Site ohne Wartung und ohne
entsprechenden Etat ist eine garantierte Fehlinvestition.
Stiefkind-Behandlung
Investitionen in eine Web Präsenz können nur dann erfolgreich
sein, wenn ihnen der entsprechende Stellenwert eingeräumt wird. Die
Übernahme selbst erstklassigen Inhalts aus gedruckten oder multimedialen
Präsentationen führt garantiert zu zweitrangigen Web Sites. Das
Web ist ein so neues wie einmaliges Medium. Es unterscheidet sich von allen
anderen "Kommunikationskanälen" dadurch, daß es ein wirklicher
ist. Alle anderen, mit Ausnahme des Telefons, sind Monolog-Kanäle.
Web Sites, die dieser Tatsache nicht gerecht werden, sind vom Design her
unfertig.
Die Inhalts-Aufbereitung ist eines der größten Probleme:
Weil die für die Herstellung traditioneller Monologe Verantwortlichen
auf lineare Erstellung trainiert wurden, ist jede Web Design-Aufgabe eine
neue aber selten gemeisterte Herausforderung. Oft greift man zu Konvertierungs-Tools,
die traditionelle DTP-Formate in HTML-Schriftstücke mehr schlecht
als recht umsetzen. Attraktiver Web Inhalt setzt voraus, daß er ausschließlich
[oder zuerst] für das Web entwickelt wird.
Ihre URL in der Werbung
URLs sieht man heute in fast jeder Anzeige, auf Lieferwagen, in TV Commercials
und auf Produkt-Verpackungen. Die meisten dieser Veröffentlichungen
sind leider vertane Gelegenheiten, weil in 99 von 100 Fällen die Adresse
der Home Page, statt die einer gelegenheitsbezogenen Seite veröffentlicht
wird. Dabei ist es besser, einen Besucher nicht zu haben, als einen Besucher
auf die Site zu locken, nur um ihn zu frustrieren.
Effizientes Web Site Design setzt voraus, daß Sie eine langfristig
beibehaltene Struktur implementieren. Kurzfristige Aktionen sind in diese
Struktur einzubinden. Und bei Ablauf so zu entfernen, daß ein verspäteter
Zugriff nicht in einer Fehlermeldung, sondern einer informativen Seite
resultiert. Wettbewerbe, Promotions, Sonderaktionen oder wichtige Veröffentlichungen
sollten entsprechend direkt adressiert werden: http://www.firma.de/aktionen/sommer97.html.
Direktes Erreichen der entsprechenden Seiten interessierter Besucher
führt zur positiven Erfahrung. Links in die vollständige Struktur
Ihrer Site ermöglichen die Vertiefung dort, wo sie erwünscht
ist. Wenn der Besucher Gewünschtes erst umständlich suchen muß,
ist das Abwandern wahrscheinlicher als der Erfolg.
Unterschätzung des Mediums
So wie "Wir über uns" auf Web Sites der ersten Generation mit den
höchsten Stellenwert genießt - und damit Besucher langweilt
oder abstößt - betrachten genausoviele Web Designer das Web
als ein Medium, auf dem Broschüren und Preislisten elektronisch dargeboten
werden.
Das Web entwickelt sich eindeutig zum interaktiven Kommunikationskanal,
der Selbstbedienung und sofortige Interaktion ermöglicht. So wie viele
Firmen die kurzfristigen Auswirkungen überschätzen, werden die
langfristigen Auswirkungen von genauso vielen Unternehmen unterschätzt.
Die Welt wird im nächsten und übernächsten Jahr nicht grundlegend
verändert. Aber spätestens dann, wenn die Mehrzahl Ihrer Kunden,
die Mehrzahl der Verbraucher, vernetzt sind, wird jedes Unternehmen gezwungen,
alle Betriebsabläufe und Kommunikationskanäle neu zu bewerten.
Wer seine Web Präsenz heute bereits darauf ausrichtet, erzielt
von anderen nicht mehr wettzumachenden Vorsprung
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