| Das Internet ist keineswegs neu. Ohne daß ich hier langwierig
die Geschichte des Netzes wiederkaue, sollten Sie zunächst wissen,
daß das "Net" Jahrzehnte alt ist. Und daß sich entsprechend
Tradition und Verhaltensstandards etabliert haben. Angefangen hat alles
mit dem ARPAnet, einem durch das US-Militär finanzierten und 1969
in Angriff genommenen Research-Projekt, das ermitteln sollte, wie man ein
nationales Computer-Netzwerk erstellen konnte, das jeden militärischen
Angriff überleben konnte. Kern der Designidee war das dynamische Umleiten
von Informationspaketen bei Ausfall von Teilen des Netzes. 1972 wurde das
ARPAnet einer staunenden Öffentlichkeit anläßlich einer
Konferenz in Washington vorgestellt. Schon kurz danach hatte Ray Tomlinson
die Idee der "elektronischen Post" - email war geboren. 1973 wurde England
an das ARPAnet angeschlossen, gefolgt wenig später von Norwegen. Das
ARPAnet war damit quasi von der ersten Stunde an ein INTERnationales NETz.
1974 wurde der TCP-Standard [Transmission Control Protocol], auf dem
das Netz heute noch basiert, veröffentlicht. Nach den Forschungseinrichtungen
finden immer mehr wissenschaftliche und Erziehungseinrichtungen Zugang
zum Net. 1983 war der Datenverkehr auf dem Netz, zu dem Zeitpunkt überwiegend
durch Universitäten genutzt, so umfangreich, daß der militärische
Bereich ausgeklammert wurde und auf ein neues Netz, MILNET, umgeleitet
wurde. Während damit zwei separate Netze betrieben wurden, gab es
über das zu diesem Zweck entworfene Internet Protokoll [IP], das sich
des TCP-Standards bedient, Software-Verbindungen, die unabhängig von
der Hardware waren. Dadurch wurde nicht nur die Verbindung von zwei Netzwerken,
die damals schon allen nur denkbaren Computer-Systemen einsetzten, möglich,
sondern auch der Betrieb von zehntausenden von privaten [Organisations-internen]
Netzwerken, die allesamt kooperieren konnten. Der Begriff INTERNET wurde
geboren, die Inter-Vernetzung verschiedener Netzwerktechnologien, die alle
durch die Implementierung von TCP/IP vernetzbar wurden, beschreibend.
1984 wurde das Domain Name System [DNS] vorgestellt, bei der jedes interne
Netz statt langer Internets-Nummern, die zur Erstellung von Verbindungen
notwendig waren, einen Namen erhielt. Namen wurden in einer zentralen Datei
registriert, die die jedem Namen zugeordeneten IP-Nummern enthielt. DNS
wurde hierarchisch und gleichzeitig extrem flexibel ausgelegt, so daß
jede Organisation in Unterorganisationen unterteilt werden kann. Die kleinste
Organisationseinheit ist dabei die Maschine, die größte das
Internet, das ursprünglich in eine Handvoll, heute eine Vielzahl von
Domains unterteilt ist.
Bis vor ein paar Jahren war die .edu [educational] Domain die größte.
Sie wurde im letzten Jahr durch die .com Domain, die kommerzielle Organisationen
beherbergt, abgelöst. Neben den amerikanischen Domain Gruppierungen
gibt es die landesweite Aufteilung bei der alle deutschen Organisationen
in der .de Domain und alle britischen in der .uk domain angesiedelt sind.
Die Unterteilung dieser landesweiten Domain Systeme ist national verschieden.
So ist die britische in zum Beispiel kommerzielle, akademische, nicht kommerzielle
und andere unterteilt. Britische akademische Einrichtungen sind alle in
der .ac.uk Domain angesiedelt, kommerzielle in der .co.uk.
Das Net überlebt signifikanten Ausfall der Infrastruktur, ohne
daß jemand etwas merkt. Design-Ziel 100% erreicht.
1986 erhielt die National Science Foundation, die damals noch finanziell
für das Internet zuständig war, wie das Militär ein paar
Jahre zuvor, ein eigenes Netz [NSFNET]. 1990 wurde das ursprüngliche
ARPAnet, Teil des immens gewachsenen Internets, abgeschaltet. Das "Net"
erlebte den ersten wirklichen "Großangriff", bei dem ein signifikanter
Teil der Infrastruktur ausfiel, ohne jede Störung. Während Computer,
Netze und Kabel nicht durch feindliche Bomben ausfielen, sondern durch
einfaches Abschalten vom Internet, lieferte die dynamische Umleitung der
Millionen von Informationspaketen, die jede Sekunde über das Netz
strömen, die Dynamik, die zuvor nur in Experimenten oder durch den
Ausfall einzelner Systeme getestet wurde. Das Internet überlebte diesen"Großangriff",
ohne daß jemand etwas merkte.
1991 stellt die University of Minnesota "Gopher" vor, eine Anwendung,
die nach dem Uni-Maskottchen benannt wurde und die im Slang übersetzt
etwa "hol' mal" [go for] heißt. Gopher war die erste Anwendung, die
Information "holte". Während Gopher noch heute läuft, wurde es
durch das schon ein Jahr später vorgestellte Hypertext-Protokoll [HTTP]
ersetzt, das in Verbindung mit der Hypertext-Markup Sprache [HTML] dynamische
Dokumente ermöglicht. Wenn Sie oben auf einen der "Links" geklickt
haben, die Ihnen demografische Informationen auf den Bildschirm brachten,
haben Sie gesehen, wie Hypertext funktioniert.
Kurze Zeit folgte der erste Web-Browser [Mosaic], gefolgt von Netscape
und anderen. "Net-Surfing" war geboren, Präsident Clinton [oder einen
seiner PR-Manager] dazu verleitend, dem White House eine eigene Web-Site
einzurichten.
1995 war das Wachstum geradezu explosiv. Ende 95 waren sechs Millionen
Maschinen und 50,000 Netzwerke am Internet angeschlossen, dazu führend,
daß Begriffe wie "Web", "Net" oder "Internet" nahezu weltweit zu
Haushaltsbegriffen wurden. Auch 1996 gab es keine Pause. Die Zahl der öffentlich
zugänglichen Server schoß auf über eine halbe Million,
die Anwender auf dutzende von Millionen und die Zahl der angeschlossenen
Maschinen erlebte fast eine Verdreifachung.
Weitere Themen:
Geschichte des Internets II - die Nutzer
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